Auf den Spuren der Raubritter  -  Alte Burganlagen und einzigartige Aussichten

Die Eifelvereine Hellenthal, Blumenthal und Reifferscheid haben sich im Zusammenhang mit der Aktion „Wanderwelt der Zukunft - EifelSchleifen und EifelSpuren“, die vom Kreis Euskirchen initiiert worden ist, zusammengeschlossen und die 14 km lange EifelSpur „Auf den Spuren der Raubritter“ konzipiert. Das Gutachten, dass im Zusammenhang mit dem Projekt erstellt wurde, hat  für diesen Weg dann ergeben, dass diese „Spur“ als Premium-Wanderweg bewertet werden kann. Grund genug, den „Raubritter-Weg“ unseren Mitgliedern als Wandertipp zu empfehlen.

 

Die Wanderung für diesen in beide Richtungen markierten Rundweg könnt ihr in Reifferscheid, Hellenthal oder Blumenthal beginnen. Die EifelSpur, die in Outdooractive beschrieben ist, startet in Reifferscheid am Parkplatz vor der Schule. Ob ihr vor der Wanderung oder zum Abschluss der Wanderung die Burganlage besichtigt, ist euch überlassen. Für den Gang über das Burggelände könnt ihr euch an den Hinweistafeln auf dem Weg durch das Burggelände orientieren.

Bei der Burg Reifferscheid handelt es sich um die typische Höhenburg, die auf einem Felsensporn errichtet wurde. Die Burg Reifferscheid wird erstmals im Jahre 1106 erwähnt, als Heinrich, Graf von Limburg und Herzog von Lothringen, in den Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Heinrich IV. und dessen Sohn Heinrich V. selbst seine Burgen Limburg und Reifferscheid niederbrennt. Der Brand von 1106 setzt die Entstehung der Burg in noch früherer Zeit voraus. Reifferscheid blieb bis ins 15. Jh. ständige und von da ab noch gelegentliche Residenz der Herren von Reifferscheid.

Einige Ereignisse aus der Geschichte Reifferscheids sind erwähnenswert: Im Jahre 1385 wurde Johann von Reifferscheid beschuldigt, den Landfrieden gröblich gebrochen zu haben. Der Landfriedensbund, eine Vereinigung der Städte Köln und Aachen, des Erzbischofs von Köln, des Bischofs von Lüttich, des Herzogs von Jülich, der Herzogin von Brabant und vieler Grafen und Edelleute, zog daraufhin gegen Reifferscheid, um die Burg zu erobern und ihre Herren zu bestrafen. Eingenommen wurde die Burg aber nicht.

Reifferscheid wurde mehrfach von Bränden heimgesucht. Bis zum Brand des Schlosses im Jahre 1669 befand sich hier ein Renaissanceschloss. Nach Wiederaufbau wurde der Nachfolgebau 1689 durch französische Truppen zerstört. Auch von dem danach errichteten Barockschloss ist nach dem Abbruch nach 1806 nur noch der Burgkeller übrig geblieben. Bei ihrem Einmarsch im Jahre 1794 beschlagnahmten die Franzosen das Schloss und die übrigen gräflichen Güter. Die Schlossruine im heutigen Bestand veranschaulicht bruchstückhaft die typische spätgotische Adelsburg mit Bergfried, Schildmauer und Palas. Die erheblichen Verstärkungen der Mauern gegen moderne Geschütze, wahrscheinlich im 6. Jh. Vollzogen, sind deutlich ablesbar. Vom Wiederaufbau zum Barockschloss nach dem Brand von 1689 sind kaum Spuren geblieben.

Jetzt aber los: Die EifelSpur „Auf den Spuren der Raubritter“  führt von Reifferscheid nach Hellenthal im gleichen Verlauf wie auch die Burgenroute (Partnerweg des Eifelsteigs) und der Hauptwanderweg Nr. 12 ‚Rhein-Venn-Weg‘.  Also links an der Schule vorbei zum Burghövel und im Wald abwärts zur Kreisstraße und gegenüber wieder durch den Wald, um auf die Höhe von Hönningen zu kommen. Hier habt ihr einen schönen Blick ins Schleidener Tal und nach Hellenthal. Auf der gegenüberliegenden Talseite könnt ihr den weiteren Verlauf der Wanderung erahnen. Jetzt wieder abwärts in den Hinterseiffen und über den Kalberbenden zum Rathaus in Hellenthal.

Am Rathaus könnt ihr den Amtsschimmel bewundern, der das Rathaus ziert. Weiter über den Zentralen Omnibus Parkplatz und die neu gestaltete Freizeitanlage Olefufer. Ihr kommt dann auch an der Pfarrkirche St. Anna vorbei. Hier lohnt sich ein Blick auf die moderne Ausmalung der Kirche sowohl der Konche als auch der Orgel. Weiter über die Brücken der Preth und der Olef in Richtung Friedhof. Kurz vor dem Friedhof geht es jetzt steil über Serpentinen in Richtung Sündentempellchen. Das Sündentempellchen wurde in den 30-iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von Junggesellen aus Kirschseiffen erbaut und wird jetzt vom Wanderklub Hellenthal unterhalten.

Weiter leicht ansteigend in Richtung Kirchenberg. Hier befindet sich ein schön gestalteter Rastplatz, der auch vom Wanderklub Hellenthal unterhalten wird. Jetzt geht es stetig bergab, zwischenzeitlich auch steil abwärts zum Kreuz, das vom Eifelverein Blumenthal errichtet wurde. Weiter in Richtung Blumenthal und am Denkmal für die in der Progromnacht zerstörte Synagoge vorbei zur Bundesstraße. Durch das Fuchsloch vorbei an einer ehemaligen Mühle, das Mühlrad ist noch zu sehen und dem noch erkennbaren Mühlengraben und den Aufschlüssen des geologisch-montanhistorischen Wanderweges in Richtung Dommersbach. Entlang des „Fuchsloch“ genannten Wegstückes stehen an mehreren Stellen Lagen aus so genanntem „Brandschiefer“ an, die im Devon vor rund 400 Mio. Jahren entstanden sind. Es handelt sich dabei um Kohleflöze schlechter Qualität, die zu keiner Zeit von größerer wirtschaftlicher Bedeutung waren und nur lokal genutzt wurden. Mehrere bis zu 50 m lange Stollen verfolgten im 18. u. 19. Jh. die Brandschieferflöze in den Berg hinein. Das Besondere: Bei dem „Brandschiefer“ handelt es sich um eine Kohle, die mehr als 100 Mio. Jahre älter ist als die Steinkohle, die zum Beispiel im Ruhrgebiet gefördert wurde.

Durch das und hinter dem Neubaugebiet Dommersbach führt der Weg stetig aufsteigend in Richtung Kuhberg. Auf der Höhe von Wollenberg führt die EifelSpur steil hinab in Richtung Kammerwald zur Burgwüstung ‚Altenberg‘. Schon der Flurname „Altenberg“ weist westlich von Wollenberg auf eine ehemalige Burganlage hin. Auf einem schmalen Bergrücken zwischen zwei Bächen liegen die Reste einer so genannten Abschnittsbefestigung: Auf drei Seiten bieten die steilen Hänge des Bergsporns natürlichen Schutz, im Nordosten wird der Zugang über den Bergrücken durch einen tiefen Graben abgeschnitten. Möglicher Weise handelt es sich hier um eine Vorgängerburg zu Burg Reifferscheid. Zu sehen ist ein künstlicher Geländeeingriff mit Halsgraben, einem Wall und einem flachen Plateau, welches ca. 70 m lang im Süden und Westen noch deutlich sichtbar begrenzt ist. Das eingeschlossene, leicht abschüssige Plateau im Inneren scheint künstlich aus der Bergkuppe herausgearbeitet worden zu sein.

Wieder aufwärts bis zur Höhe des Ortes Wollenberg, von hier geht es flach bis zu einem Aussichtspunkt, von dem der Ort und Burg Reifferscheid zu sehen sind. Hier geht es wieder in Serpentinen vorbei an gesprengten Bunkern der ehemaligen Westwallanlagen. Es handelt sich um etwa 11,0 x 7,5 m große Mannschaftsbunker im Vorderhang, die wegen ihrer Lage zwei seitliche Eingänge im Osten und Westen aufweisen. Sie sind bergseitig durch Hangschutzmauern gesichert. Die Eingangsbereiche münden in die Gasschleuse des Bunkers. Am Ende der Gasschleuse, kurz hinter dem westlichen Eingangsbereich, ist in die Frontmauer der Kampfraum in einer stark reduzierten Version eingebaut worden.

Der Bunker weist eine Besonderheit auf: Es ist der zweite seitliche Eingang, der bisher nur bei Bunkern mit 27 Mann Besatzungsstärke beobachtet worden ist, jedoch niemals bei einem Bunker mit nur 14 Mann Besatzung. Mit den beiden anderen Bunkern des gleichen Regelbautyps haben sich hier auf engstem Raum drei unterschiedliche Ausführungen der Anordnung seitlicher Eingänge erhalten, die im Abschnitt des Landes Nordrhein-Westfalen einmalig sind. Nur etwa 40 m nördlich bzw. nordnordwestlich liegen zwei weitere Bunker. Die Innenräume des Bunkers sind gesprengt. Die Trägerlagen sind in diesen Abschnitten ausgebaut. Die seitlichen Eingänge sind noch vollständig erhalten. In dem Bereich

In dem Bereich der der Bunker wurde wurde vom ehemaligen Kloster Liebfrauenhof  ein Kreuzweg errichtet, der uns bis fast bis ins Tal begleitet. Dann weiter über eine kleine Brücke zum Ort Reifferscheid. Hier weiter durch das Reinzelbachtal und vorbei am Gröttchen zu unserem Ausgangspunkt.

In Kürze werden Wanderkarten mit den neuen Wanderwegen erscheinen. Bis dahin können Sie die Wanderung hier finden.

Auf den Spuren der Raubritter- outdooractive

Auf den Spuren der Raubritter- pdf